Klaus Müller, Vogt und Partner Landschaftsarchitekten Zürich
Der Ort ist geprägt von der monumentalen Architektur des Schlosses vor der erhabenen alpenländischen Naturkulisse. Von der ursprünglichen neobarocken Gestaltung existieren bildliche Darstellungen und Analysen. Den Luxus, sich einen Ziergarten anlegen zu können, wurde durch die wirtschaftliche Bedeutung ermöglicht, resultierend aus der bevorzugten Lage an der Alpenpassage. Stilistisch war der Garten durch Einflüsse aus dem französischen Barock geprägt. Die strukturelle und formale Ausformulierung war jedoch keine stilreine Übersetzung. Die elementaren Trinitätsvorstellungen des Kaspar von Stockalper, die sich in der Konzeption der Schlossarchitektur zeigen, haben auch ihren Einfluss auf die historische Gestaltung des Gartens erhalten. Es sind dies das Viridarium oder Lustgarten vor dem Schloss, das Pomarium oder der Baumgarten und der Wirtschaftsteil. Die thematischen Inhalte sind aus der umgebenden Landschaft abgeleitet und als Ausstellungsstücke in den Garten implantiert und dort inszeniert worden. Als Vorbilder dienten Landschaftselemente, die durch eine Kultivierung der Natur entstanden sind, einem Prozess der Zähmung von Naturgewalten gleich.
Die Neugestaltung erzählt die Geschichte des Gartens weiter, der nicht mehr die Ausstellung, sondern die Konservierung zu Grunde liegt, bezogen auf alle substanzbildendenden Ebenen der Gartengestaltung – Struktur, Form und Materialien sowie der Pflanzenauswahl. Ausgangspunkt für die neue Gestaltung des Gartens bildete eine bescheidene Anlage, die weder der beeindruckenden Schlossarchitektur, noch dem historischen Kontext entsprach. Bestehende Zeugnisse der ursprünglichen, neobarocken Anlage waren lediglich die Topographie und die Natursteinmauern und dokumentarische Indizien. Die aktuelle Neugestaltung führte zu einer Neuinterpretation der historischen Schichten und fragmentarischen Reste. Der Umgang mit dem Element Wasser zeigt am deutlichsten die Entwurfsintentionen im fortdauernden historischen Kontext. Der offen gelegte Wuhrbach wird in kultivierter Form durch besondere Tuffsteine gefasst zum Ziergarten-Element. Einerseits ein Verweis auf die Kultivierung der Naturgewalten und über den Tuffstein, der sich in verzierter Form ebenfalls in der Schlossfassade wiederfindet, auf die historische Materialverwendung im Barock. Das Viridarium, das Pomarium und der Wirtschaftsteil wurden in die strukturellen Überlegungen einbezogen und mit historischen Reb- und Obstsorten bepflanzt. Im Hinblick auf den kräftigen, etwas spröden Charme der Architektursprache gab es das Bestreben, eine gartenarchitektonische Umsetzung zu finden, die über die Rekonstruktion der neobarocken Sprache hinausging. Es ist ein öffentlicher Garten entstanden, dessen Geschichte sich als offenes Kontinuum im Rahmen von ursprünglicher und imposanter Natur darstellt.
Die einzelnen Gartenteile lassen sich wie folgt beschreiben:
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